Michael Höppner

Pandemietheater

Pandemietheater

Über das Pandemietheater

Beim Pandemietheater handelt es sich um konzeptuelle, kompositorische, schriftstellerische und praktische musiktheatralische Versuche, die ich seit Beginn des Theaterbanns unternommen habe und die von den Verhältnissen und Erfahrungen der aktuellen Pandemie und den entsprechenden Regularien für den Kulturbetrieb inspiriert worden sind. Das Pandemietheater ist ein Versuch, Theater anders zu denken, sodann bezeichnet es eine Vorrichtung für eine verkehrte theatralische Situation zwischen Darsteller*innen und Publikum, es ist der Oberbegriff für verschiedene Stücke, die ich als Vor-Schriften für diese Vorrichtung konzipiert und komponiert habe und soll im Laufe des Jahres und vielleicht darüber hinaus, ein Format, vielleicht ein Genre, vielleicht eine Institution begründen. Insbesondere sind auch andere Künstler*innen eingeladen, Arbeiten, Stücke, Kompositionen, Choreografien, Texte etc., die dem Pandemietheater verpflichtet sind, zu verwirklichen.

Sich ein Theater ohne gemeinsame leibliche Kunstpraxis, ohne darstellerische Anwesenheit, sozusagen ein Theater der leeren Bühne vorzustellen, rückt das Publikum ins Zentrum des musiktheatralischen Denkens. Aus der Not, dass ein Publikum ohne Darbietungen sich selbst überlassen ist, entsteht die Tugend, dass ein Publikum nun selbst Gegenstand des Theaters in der Pandemie werden kann. Das Publikum ist nicht länger bloßer Konsument. Die Künstler*innen sind nicht länger die Produzenten und Lieferanten von Konsumgütern. Sie stellen ihre Fähigkeiten in den Dienst eines Theaters, das sein Publikum sich selbst erleben lässt. Das Pandemietheater realisiert Theatererlebnisse, in denen sich das Publikum selbst erlebt. Das metatheatralische Pandemietheater ist ein Versuch, Theater anders zu denken. Es ist eine Vorrichtung für eine verkehrte theatralische Situation zwischen Darsteller*innen und Publikum.